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Leitfaden zur Mobilität von Schülerinnen und Schülern

Warum sind Auslandsaufenthalte und Austausch der Schlüssel zum interkulturellen Lernen?

 

Schülerinnen und Schüler können interkulturelle Kompetenzen auch ohne Auslandsaufenthalt oder Austausch entwickeln, z.B. indem sie Fakten aus verschiedenen Perspektiven betrachten und Diversität in ihrem Umfeld entdecken und reflektieren. Ein Auslandsaufenthalt oder Austausch – wenn er entsprechend begleitet wird – bleibt jedoch die bedeutendste und tiefgreifendste Erfahrung für Schülerinnen und Schüler und trägt somit erheblich zur Entwicklung interkultureller Kompetenzen bei. Sie erleben einen Alltag, der sich von ihrem stark unterscheidet, sie entwickeln Sensibilität für Diversität sowie Ambiguitätstoleranz. Sie verstehen, was es bedeutet, in der Minderheit zu sein und mit den Herausforderungen von Anpassungsprozessen umzugehen.

Verschiedene Formate von Austausch und Auslandsaufenthalten

   Kurzfristiger Einzelaustausch: eine Schülerin oder ein Schüler verbringt 1 bis 8 Wochen in einem anderen Land in einer Gastfamilie und besucht eine Schule vor Ort.

   Langfristiger Einzelaustausch: eine Schülerin oder ein Schüler verbringt 3 bis 10 Monate in einem anderen Land in einer Gastfamilie und besucht eine Schule vor Ort.

   Gruppenaustausch: eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, meist aus einer selben Klasse, reisen in ein anderes Land für eine Dauer von 5 Tagen bis 3 Wochen. Sie werden meist in Gastfamilien untergebracht und folgen einem Programm, zu dem in der Regel auch Schulbesuche gehören. Dieser Austausch wird oft von den Lehrkräften der beiden beteiligten Klassen organisiert und begleitet.

Sowohl der Einzelaustausch als auch der Gruppenaustausch kann auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhen und Teil einer Schulpartnerschaft sein.

Diese Austauschprogramme können von Schulen selber geplant und durchgeführt werden oder aber mit Hilfe von spezialisierten Organisationen wie AFS und/oder mit der Unterstützung von Förderprogrammen der EU oder von bilateralen Organisationen wie dem Deutsch-Französischen Jugendwerk.

Wie können Teilnehmende an einem Auslandsaufenthalt oder einem Austauschprogramm unterstützt werden?

Die Schule spielt eine wichtige Rolle für Teilnehmende an einem Austauschprogramm, unabhängig davon ob die Schule entsendet oder aufnimmt. Weiter unten werden einige Empfehlungen aufgelistet, wie Einzelaustausch unterstützt und begleitet werden kann.

Für den Gruppenaustausch gibt es meist ein präzises Programm, welches sich an den festgelegten Lernzielen orientiert und die organisierenden Lehrkräfte begleiten die Schülerinnen und Schüler sowohl bei der Entsendung als auch bei der Aufnahme. Dennoch gelten die unten stehenden Empfehlungen auch für den Gruppenaustausch.

ENTSENDUNG

Wie kann man eine Schülerin oder einen Schüler unterstützen, der an einem Einzelaustausch teilnehmen möchte?

Es ist auf jeden Fall wichtig, Eltern und Schülerinnen und Schüler über verschiedene Programme zu informieren und sie in ihrer Entscheidung zur Art des Austausches und zur Auswahl einer Austauschorganisation zu begleiten. Dafür können Kontakte vor Ort mit Austauschorganisationen, Internetseiten und Erfahrungsberichte von Schülerinnen und Schülern, die an einem Austausch teilgenommen haben, nützlich sein.

Anerkennung von Auslandsaufenthalten: Partnerschaftsvereinbarungen und Lernzielvereinbarungen

Bei der Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes muss sich die Schülerin oder der Schüler bewusst werden, dass sie oder er ein Schuljahr oder den Teil eines Schuljahres an einer Schule in einem anderen Land verbringen wird und dafür Lernziele vereinbart werden müssen. Dabei liegt es an der entsendenden Schule, die Schülerin oder den Schüler mit Dokumenten auszustatten, welche es möglich machen, die im Schuljahr geforderten Leistungen anzuerkennen (s. Anlage).

Dazu sollten beide Schulen eine Partnerschaftsvereinbarung abschließen. Die Lehrkräfte können z.B. ein Treffen mit den Eltern, der Schülerin oder dem Schüler, der Schulleitung und ggf. einer Vertretung der Austauschorganisation anbieten um die Inhalte der Lernzielvereinbarung gemeinsam festzulegen.

Wird der Auslandsaufenthalt von der Schulverwaltung anerkannt?

Zur allgemeinen Anerkennung von Auslandsaufenthalten während der Schulzeit gibt diese Internetseite Informationen.

 In Deutschland gibt es mit 16 Bundesländer auch 16 verschiedene Schulsysteme. Letztendlich hängt es oft von der jeweiligen Schule ab, inwiefern Auslandsaufenthalte gefördert und anerkannt werden. Eine gute Übersicht über die Anerkennung von Auslandsaufenthalten über ein Schuljahr gibt AJA, ein Dachverband von non-Profit-Austausch-Organisationen in Deutschland: http://aja-org.de/anerkennung-richtlinien-bundeslaender/

Was den Gruppenaustausch betrifft, so hängt dies ebenfalls von der jeweiligen Schule ab. Die KMK (Kultusministerkonferenz) empfiehlt jedoch, den Einzel- und Gruppenaustausch zu unterstützen.

AUFNAHME

Wie kann man die Integration der Schülerin oder des Schülers unterstützen?

   Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte rechtzeitig über die Ankunft einer Gastschülerin oder eines Gastschülers informieren

   Die Gastschülerin oder den Gastschüler am Beginn seines Aufenthaltes vorstellen. Er oder sie kann am ersten Tag von der Schulleitung empfangen und durch die Schule geführt werden, bevor er oder sie seinen Stundenplan mit den entsprechenden Erklärungen bekommt. Eine Mitschülerin oder ein Mitschüler kann als Sitznachbarin oder Sitznachbar benannt werden (falls es keine Austauschschülerin oder keinen Austauschschüler gibt).

   Die Gastschülerin oder der Gastschüler sollte in sämtliche Projekte eingebunden werden. Sobald er oder sie seine Sprachfähigkeiten verbessert hat, kann er oder sie kurze Vorträge (z.B. über Gemeinsamkeit und Unterschiede der Schulsysteme) in der Klasse halten und Diskussionen in der Klasse führen.

 AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. entwickelt gerade Material für Lehrkräfte zur besseren Aufnahme und Integration von Austauschschülerinnen und –schülern in den Unterricht und Schulalltag. Es handelt sich dabei um Checklisten und Handreichungen, die den organisatorischen Prozess für erleichtern, als auch um Unterrichtsmaterialien, sowohl für den Gastschüler als auch die ganze Klasse. Mit Hilfe dieses Materials wird es Lehrkräften möglich, den Gastschüler  als Ressource für interkulturelles Lernen zu nutzen, so dass seine/ ihre Aufnahme auch für Mitschülerinnen und Mitschüler zu einer interkulturellen Lernerfahrung werden kann. Weitere Infos finden Sie unter www.afs.de.

Individuelle Materialien zur Vorbereitung und Begleitung für einen Austauschschüler oder eine Austauschschülerin auf den Austausch bietet auch die Broschüre „Voltaire in der Tasche“ des DFJW (www.dfjw.org). Viele Zitate ehemaliger Programmteilnehmerinnen und Programmteilnehmer, sowie wertvoll Tipps bieten einen guten Einblick und Ausblick auf die Herausforderungen eines Austauschprogrammes.

Welche Schwierigkeiten können während eines Auslandsaufenthaltes auftauchen?

Schülerinnen und Schüler können Schwierigkeiten haben, die neue Sprache zu erlernen, eventuell müssen sie interkulturelle Missverständnisse überwinden, starken Gefühlen oder einem Kulturschock ausgesetzt sein, etc. Es ist nicht immer selbstverständlich, seinen Platz in einer neuen Familie zu finden. In der Schule müssen sie verstehen, was von ihnen erwartet wird. Sie entdecken ein völlig neues System und neue Herangehensweisen, unterschiedliche Unterrichts- und Evaluationsmethoden. Auch die Beziehungen zu den Lehrkräften sind oft anders als zu Hause, Unterrichtszeiten und Rhythmus, Beteiligung am Unterricht, etc.

Wie kann ein Bewertungsbogen erstellt werden?

Teilnehmende an einem Austauschprogramm können unterschiedliche Ziele haben und die Lehrkräfte vor Ort müssen wissen, ob eine Prüfung im Heimatland vorbereitet werden muss. Es sollte geprüft werden, ob die Schülerin oder der Schüler eine Lernvereinbarung unterschrieben hat, so dass die aufnehmenden Lehrkräfte wissen, welche Leistungen bewertet werden müssen. In der Regel sollten Bewertungen einem Notensystem vorgezogen und die Querschnittskompetenzen herausgehoben werden: Verbesserung der Sprachkenntnisse, Anpassungsfähigkeit und Integration ins Schulleben, Verstehen der Regeln, Umgang mit Unterschieden, usw.

Wer soll im Fall eines Problems kontaktiert werden?

Zu Beginn des Aufenthaltes sollte die aufnehmende Schule sicherstellen, dass es in der entsendenden Schule oder in der Entsendeorganisation eine Ansprechperson gibt. Dieser Kontakt sollte den Lehrkräften in der aufnehmenden Schule zur Verfügung gestellt werden. Tutorinnen oder Tutoren können in der entsendenden und aufnehmenden Schule benannt werden.

Rückkehr in die Heimatschule

Falls es mehrere Schülerinnen und Schüler gibt die zur selben Zeit von einem Auslandsaufenthalt zurückkehren kann eine Veranstaltung durchgeführt werden, bei denen sie offiziell ihre Teilnahmebestätigung oder ihr Zertifikat ausgehändigt bekommen. Es kann auch ein Treffen mit der Schulleitung durchgeführt werden mit der Schülerin oder dem Schüler, den Eltern und der Klassenlehrkraft um zu besprechen, was die Schülerin oder der Schüler während seines Aufenthaltes gelernt hat. Dabei sollten die erworbenen Kompetenzen herausgehoben und Zusammenhänge mit den Lehrplänen aufgezeigt werden. Darüber hinaus können interkulturelle Kompetenzen angesprochen und Hilfestellungen zum aufzuholenden Stoff gegeben werden, insbesondere wenn eine Prüfung ansteht.

Wie können alle von der Erfahrung Einzelner profitieren?

ENTSENDUNG

Vor ihrer Abreise können Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse Informationen über ihre Erwartungen und über das aufnehmende Land in form einer Präsentation oder eines Referates geben. Während des Austausches können Videokonferenzen oder gemeinsame Projekte zwischen den Schulen durchgeführt werden. Nach ihrer Rückkehr können die Schülerinnen und Schüler berichten, was sie ihrer Meinung nach gelernt haben. Sie können das Schulsystem im Gastland beschreiben, ihre Erlebnisse und Gefühle schildern und über Vor- und Nachteile von Auslandsaufenthalten diskutieren. Wenn es an der Schule unterschiedliche Formate von Auslandsaufenthalten gibt, dann können die Ergebnisse zusammengefasst und anlässlich eines Projekttages zu Austauschmöglichkeiten und zu interkulturellem Lernen präsentiert werden. Dabei können auch Schülerinnen und Schüler berichten, die außerhalb der Schule an Austauschprogrammen teilgenommen haben.

AUFNAHME

Der Gastschüler oder die Gastschülerin kann andere Perspektiven zu bestimmten Inhalten mitbringen, z.B. in Geschichte, Geographie, Gesellschaftskunde, Sozialkunde, Sprachen, etc. Sie oder er kann Referate in der Klasse oder in anderen Klassen halten und eine länderspezifische Sicht einbringen. Sie oder er kann einen Artikel über gemachte Erfahrungen in der Schülerzeitung oder auf der Internetseite veröffentlichen. Sie oder er kann eine Aktivität im Rahmen eines interkulturellen Events anleiten (z.B. zum Tag des interkulturellen Dialogs) oder einen Informationstag zu ihrem oder seinem Heimatland organisieren. Die Lehrkräfte können Projekte mit der entsendenden Schule durchführen. Wenn mehrere Gastschüler ankommen, sei es im Rahmen eines Einzelaustausches oder eines Gruppenaustausches, kann eine Willkommensveranstaltung angeboten werden, zu der alle Gastschülerinnen und Gastschüler sowie die aufnehmenden Familien eingeladen werden, genauso kann auch eine Abschiedsveranstaltung stattfinden. Bei einem Gruppenaustausch kann auch das Ergebnis einer gemeinsamen Projektarbeit (Theater, Gesang, Fotoausstellung) der gesamten Schule und den Eltern präsentiert werden.

 

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