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Glaubende

METHODENBOX

BEREICH 3 Methode für Ethik und Gemeinschaftskunde

ZIELGRUPPE

Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren

INTERKULTURELLE KOMPETENZEN

  • Wertschätzung und Respekt gegenüber anderen Menschen
  • Wertschätzung und Respekt gegenüber kulturellen Unterschieden und Vielfalt
  • Wertschätzung und Respekt gegenüber anderen Kulturen und kulturelle Andersartigkeit
  • Toleranz
  • kritisches Denken und Hinterfragen
  • Ichbewusstsein und Selbstkenntnis
  • Interkulturelles Verhalten
  • Multiperspektivität
  • Kenntnisse über andere Kulturen

LERNZIELE

  • Unterschiedliche Glaubenssysteme und Religionen kennen lernen
  • Kritisches Denken und Hinterfragen entwickeln
  • Vielfalt von Glaubensrichtungen und Religionen akzeptieren lernen

ZEIT

180 Minuten

BENÖTIGTES MATERIAL

  • Kopien der Karten mit Stellungnahmen (ein ausgeschnittenes Set pro Kleingruppe)
  • so viele Stuhlkreise wie Gruppen
  • ein Moderator pro Gruppe

ABLAUF DER ÜBUNG

  1. Die Lehrkraft erklärt den Schülerinnen und Schülern, dass sie in dieser Übung über ihren Glauben sprechen werden. Manche der Schülerinnen und Schüler sind vielleicht sehr gläubig, andere weniger und manche haben eventuell gar keine Religion. Ziel der Übung ist es, durch einen Austausch persönlicher Sichtweisen und Einstellungen zum Thema Glaube zu einem tieferen Verständnis von Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu kommen (siehe unten).
  2. Den Schülerinnen und Schülern muss deutlich gemacht werden, dass es sich um ein sensibles Thema handelt, was im Gespräch beachtet werden muss. Der Schutz religiösen Glaubens und religiöser Symbole vor Beleidigung und Verunglimpfung ist Teil der Religionsfreiheit, dennoch gilt es, diese Freiheit immer wieder gegenüber der Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung abzuwägen. Religionsfreiheit bedeutet keine Immunität gegenüber kritischen Stimmen, solange sie sich nicht auf Vorurteile und Diskriminierung stützen.

 

  1. Die Schülerinnen und Schüler werden in Kleingruppen aufgeteilt (4-6 Personen) und gebeten 3 bis 4 Minuten über ihren persönlichen Glauben nachzudenken (z.B. ob sie einer Religion angehören, ob sie ihren Glauben praktizieren, …).
  2. Um dann leichter ins Gespräch zu kommen, sollen die Schülerinnen und Schüler erzählen, wann sie zum ersten Mal eine religiöse Zeremonie erlebt haben.

 

  1. Anschließend werden die Karten in der Mitte verdeckt auf den Boden oder einen Tisch gelegt. Die Teilnehmenden haben nun eine Stunde Zeit, nach und nach eine Karte aufzudecken und die Aussage auf der Karte zu diskutieren. Ziel ist es alle Karten aufzudecken, so dass sie bei der Diskussion pro Aussage die Zeit im Blick behalten müssen. So können sie sich jedoch einen guten Überblick über das Thema verschaffen.

 

  1. In jeder Runde nimmt eine Schülerin oder ein Schüler eine verdeckte Karte, liest diese laut vor und bezieht Stellung zu der vorgelesenen Aussage. Anschließend haben die Mitschülerinnen und Mitschüler die Gelegenheit, sich ihrerseits dazu zu äußern und ihre Erfahrungen zu der Aussage darzustellen.

 

  1. Die nächste Schülerin oder der nächste Schüler deckt eine Karte auf, …

 

  1. Wenn alle Karten aufgedeckt und diskutiert wurden oder die Zeit abgelaufen ist, erfolgt die Auswertung der Übung (in denselben Kleingruppen).

 

Auswertung und Nachbesprechung

Gab es Aussagen, die schwierig zu diskutieren waren? Warum

 

Gab es Tatsachen, Glaubensvorstellungen oder Haltung, die dich in deiner eigenen Lebenseinstellung überrascht haben?

 

Was hattet ihr trotz unterschiedlicher Lebenseinstellungen gemeinsam?

 

Welche grundlegenden Unterschiede bestanden zwischen euren Lebenseinstellungen? Sind sie grundsätzlich nicht miteinander vereinbar?

 

Warum ist es wichtig, die Lebenseinstellungen anderer Menschen zu kennen? Wie unwissend wart ihr bzw. fühlt ihr euch? Hast du das Gefühl, dass du mehr über andere wissen müsstest?

 

Auch wenn wir uns des Rechts der Menschen auf Religions- und Glaubensfreiheit bewusst sind, seid ihr in der Lage, Einstellungen zu respektieren, die euren diametral gegenüberstehen?

 

In welchem Maße spielen Unwissenheit und Vorurteile gegenüber unterschiedlichen Lebenseinstellungen eine Rolle in der Wahrnehmung anderer Menschen?

 

Hat in deinem Land wirklich jeder das Recht, seinen Glauben und seine Religion frei auszuleben? Warum (nicht)?

 

In welcher Form werden diese Freiheiten in deinem Land verletzt?

 

In welchem Maße sollten Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit religiöse Praktiken zulassen, die weiter von allgemein gesellschaftlichen Vorstellungen entfernt sind? denkt dabei z.B. auch an die Rolle der Frau in der Religion, an traditionelle Zeremonien, an denen Kinder beteiligt sind, Kirchengesetze über Taufen, Scheidungen, etc.

 

Was sollte man im Hinterkopf haben, wenn man eine Veranstaltung für eine ganze Gruppe plant, z.B. ein Picknick, eine Sportveranstaltung oder ein gemeinsames Wochenende, so dass jeder unabhängig seiner Religion und seines Glaubens teilnehmen kann?

Es kann mitunter schwierig sein, diesem Anspruch gerecht zu werden. Wie würdest du versuchen, Lösungen zu finden? Wem würdest du bei einem Kompromiss den Vorzug geben?

Was war das Interessante, das du bei dieser Übung gelernt hast?

EMPFEHLUNGEN

In dieser Übung geht es um sensible Themen. Sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre, in der sich jeder wohl fühlen kann. Dabei kann auch eine entsprechende Gestaltung des Raumes helfen. Jeder Schülerin oder jedem Schüler sollte klar sein, dass sie oder er nicht unter Druck ist oder gezwungen wird, mehr preiszugeben als sie oder er möchte.

Respektieren Sie die Beträge und auch Grenzen der Schülerinnen und Schüler; nicht jede oder jeder ist in der Lage, alles in Worte zu fassen, was sie oder er empfindet und was ihr oder ihm heilig ist, vor allem wenn sie oder er schon von klein auf mit einer bestimmten Religion aufgewachsen ist. Insofern verhält es sich bei einer Religion wie bei einer Kultur: man tendiert dazu, bestimmte Werte und Gewohnheiten als “natürlich” zu betrachten.

Achten Sie darauf, dass kein Gruppenzwang entsteht. Unterbinden Sie, dass Schülerinnen und Schüler in eine Verteidigungsposition gedrängt werden und sich gegen Aussagen wie “Wie kannst du zu so einer Religion gehören und akzeptieren, dass…?” wehren müssen.

Vermeiden Sie es, sich in Details zu verlieren. Behalten Sie die Kartenstapel in den Kleingruppen im Auge und stellen Sie sicher, dass jede Gruppe genügend Zeit hat, möglichst alle Karten zu diskutieren. Greifen Sie nur ein, wenn die Diskussion ausartet, die Schülerinnen und Schüler alleine nicht weiterkommen oder einzelne Schülerinnen oder Schüler das Gespräch dominieren.

Seien Sie darauf vorbereitet, weitere Hintergrundinformationen liefern zu können, um auf Schülerfragen eingehen und Diskussionen anregen zu können.

Stellen Sie dem Moderator jeder Gruppe nach Möglichkeit einen Co-Moderator zur Seite, der bei den Gesprächen und vor allem der Auswertung unterstützen kann. Wenn Sie das Gefühl haben, die Kleingruppen mit einer internen Auswertung zu überfordern, können Sie die Auswertung natürlich auch im Plenum durchführen.

Es ist grundsätzlich schwierig, Glauben rational zu erklären und entsprechend “logische” Argumente zu liefern; dafür spielt die emotionale Seite eine wichtige Rolle und sagt eine Menge über unsere Mitmenschen aus. Der generelle Respekt der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit anderer bedeutet nicht, dass man automatisch auch deren Meinungen akzeptieren muss, wohl aber, dass man dem anderen das Recht eingestehen muss zu glauben was er für richtig hält. Denken Sie daran, dass es ein wesentlicher Erziehungsauftrag ist, junge Menschen zu kritischem Denken zu ermuntern, und dass der Vergleich unterschiedlicher Lebenseinstellungen unseren Horizont erweitert und alternative Entscheidungen zulässt. Im Laufe der Übung sollte den Teilnehmenden klar werden, dass ihre persönliche Ansicht nicht absolut gültig, sondern relativ ist. Eine zu selektive Wahrnehmung und die Leugnung von Pluralismus sind häufig Ursachen von religiösem Fanatismus und Intoleranz. Keine Religion ist monolithisch und somit kann auch keine religiöse Tradition als repräsentativ oder gar alleingültig betrachtet werden.

Der Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt, „Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.

Um in dieser Übung möglichst allen Religionen und Glaubensrichtungen gerecht zu werden, beziehen wir uns auf die Definition der Seite  www.religioustolerance.org: „Religion is any specific system of belief about deity, often involving rituals, a code of ethics, and a philosophy of life.“ Der Begriff “Religion” bezieht sich dabei sowohl auf die persönliche Glaubensausübung in einer Gemeinschaft als auch auf die von einer Gemeinschaft geteilten Überzeugungen. Alternativen zu Religion wären  Atheismus, Skeptizismus, Freidenkertum und Humanismus.

In dieser Übung liegt der Akzent auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, was auch bedeutet, dass es jedem überlassen ist, sich einer Religion anzuschließen oder nicht. Der Begriff “Lebenseinstellung” soll in diesem Sinne neben Religionen auch alternative Vorstellungen einbinden, ohne diese zugunsten anderer zu diskriminieren. Mit “Lebenseinstellung” ist ein gedankliches Gerüst von Ideen und Vorstellungen gemeint, die uns helfen die Welt besser zu verstehen und dem Leben einen tieferen Sinn und Wert und geben. Viele Lebenseinstellungen sind klar religiös wie z.B. das Christentum, der Hinduismus oder der Islam. Andere sind nicht-religiös wie z.B. der Materialismus von Karl Marx und seiner Anhänger, Ayn Rands Objektivismus und Humanismus. Weitere Lebenseinstellungen wie z.B. der Buddhismus und der Konfuzianismus werden traditionell als Religionen bezeichnet, eine Einordnung mit der viele Anhänger jedoch nicht einverstanden sind, da ihr Glaube auf keiner Gottheit beruht und eher als Philosophie eingeordnet werden muss. Das Konzept der “Lebenseinstellungen” schließt sie alle ein.

Grundlegende und übersichtliche Informationen über Religion und Glauben weltweit finden Sie auf der Seite der United Religions Initiative (www.uri.org) und der Ontario Consultants on Religious Tolerance (www.religioustolerance.org).

QUELLEN

Compass: Manual for Human Rights Education with Young People, Council of Europe: http://www.coe.int/en/web/compass

ANHANG

Aussagekarten

Wir haben ein bestimmtes Ritual um Kinder in unsere Gemeinschaft aufzunehmen.   

 

Wir haben bestimmte Rituale für Beerdigungen und Bestattungen.
Männer und Frauen haben unterschiedliche Rollen in unserer Gemeinschaft, z.B. in der Anleitung von Ritualen und Feierlichkeiten.

 

Wir haben bestimmte Fastenzeiten im Jahreskalender.
Verbrechen und Diskriminierungen wurden oder werden im Namen meiner Lebenseinstellung begangen.

 

Uns wird beigebracht den Armen und Bedürftigen zu helfen.
Wir haben eine bestimmte Einstellung zu Homosexualität.

 

Wir haben eine bestimmte Einstellung zur Abtreibung.
Unsere Lebenseinstellung beinhaltet bestimmte Moralvorstellungen und Anforderung an die Ehe und an Sexualität.

 

Wir glauben an den Wert des Lebens als ein absolut schützenswertes.
Unsere Lebenseinstellung basiert auf einem heiligen Buch oder einer heiligen Schrift.

 

Unsere Lebenseinstellung wurde maßgeblich von Propheten geprägt, die als Verbreiter göttlicher Nachrichten gelten.
Unsere Lebenseinstellung lehrt Toleranz gegenüber anderen Religionen und anderem Glauben.

 

Wir haben wichtige Feste, die auch als Feiertage in unseren Ländern anerkannt werden.
Wir glauben an ein Leben nach dem Tod und an ein höchstes Gericht.

 

Wir haben unseren eigenen Kalender, der häufig von den staatlichen Kalendern abweicht. Unser Neujahr ist nicht am 1. Januar.
Wir zollen unseren Toten Respekt, mindestens einmal im Jahr und wir besuchen Friedhöfe.

 

Wir glauben, dass der Sinn des Lebens nicht nur in materiellen Dingen liegt, sondern eine tiefe spirituelle Dimension hat.
Wir organisieren Schulen und Klassen, in denen Kinder über unsere Lebenseinstellung unterrichtet werden.

 

Wir haben eine bestimmte Sicht darauf, wen wir heiraten sollten oder nicht.
Wir haben unsere eigene Geschichte darüber, wie die Welt entstanden ist.

 

Wir werden oft missverstanden und diskriminiert.
Unsere Lebenseinstellung lehrt nicht nur spirituelle Inhalte sondern auch, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte.

 

Wir haben einen Tag in der Woche, an dem wir nicht arbeiten sollten und an dem wir eine bestimmtes Ritual zur Feier unseres Glaubens abhalten oder einem bestimmten Ritual beiwohnen sollten.
Von uns werden mehrere Gebete am Tag erwartet.

 

Wir haben die Kontrolle über unser eigenes Leben.
Wir glauben, wir haben eine besondere Verbindung zu einem Schöpfer.

 

Liebe ist eine grundlegende Lehre in unserer Lebenseinstellung.
Wir glauben der Sinn des Lebens ist eine anhaltende schöpferische Suche.

 

Spiritualität, das Gefühl der Verwunderung darüber, ein Teil von etwas Größerem als wir selbst  zu sein, wird durch die Rituale unserer Lebenseinstellung deutlich.
Unsere Lebenseinstellung gibt einen ethischen Bezugsrahmen vor und moralische Werte sind eindeutig festgeschrieben.

 

Wir tragen Symbole oder spezielle Kleidung
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